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Kursinhalt

Nicole Diana & Ruediger
Seminarleitung
🕯️ Allerseelen | Transformation
Die eigenen Toten, der eigene Tod und was daraus ins Leben zurückkehrt.
Allerseelen - zwischen den Welten
Es gibt Menschen, die gestorben sind und trotzdem einen Platz in unserem Leben behalten.
Manche erinnern wir mit Wärme. Bei anderen ist etwas offen geblieben. Ein Satz, der nicht mehr gesagt wurde. Eine Versöhnung, zu der es nicht kam. Eine Hand, die wir gerne noch einmal gehalten hätten. Und es gibt Abschiede, für die es fast keinen Raum gab. Ein ungeborenes Kind. Ein früh verstorbenes Geschwister. Eine Mutter oder ein Vater, deren Tod so plötzlich kam, dass man zunächst nur funktioniert hat. An diesem Wochenende wenden wir uns genau diesem Raum zu.
Allerseelen und die alte Verbindung zwischen Lebenden und Toten
Am 2. November begeht die christliche Tradition Allerseelen. Seit dem Mittelalter wird an diesem Tag für Verstorbene gebetet. Darin liegt ein Gedanke, der mich sehr berührt:
Die Beziehung zwischen einem Menschen und seinen Toten endet nicht einfach mit dem letzten Atemzug.
Auch andere Kulturen kannten diesen Gedanken.
Die Kelten verbanden Samhain mit dem Übergang in die dunkle Jahreszeit und mit der Nähe zur Welt der Ahnen.
Die alten Ägypter brachten ihren Verstorbenen Speisen und Getränke dar. Nicht nur aus Erinnerung, sondern weil die Verbindung zwischen dieser und der anderen Welt für sie zum Leben gehörte. Bei Homer ruft Odysseus die Toten und sucht ihre Stimme.
Und im Buddhismus finden wir mit Maranasati, der Betrachtung des Todes, eine ganz andere Bewegung: Nicht die Toten stehen im Mittelpunkt, sondern die eigene Vergänglichkeit und damit die Frage, wie bewusst wir eigentlich leben.
Verschiedene Kulturen, verschiedene Vorstellungen.
Und immer wieder dieselbe Schwelle.
Warum genau diese Tage
Unser Seminar liegt einige Tage nach Allerseelen und endet am 7. November 2027.
Das ist in diesem Jahr ein besonderer Zeitpunkt. Denn an diesem Sonntag erreicht die Sonne astronomisch die Mitte zwischen Herbst-Tagundnachtgleiche und Wintersonnenwende.
Wir sind endgültig in der dunklen Hälfte des Jahres angekommen. Die Natur zieht ihre Kräfte zurück. Vielleicht fällt es uns gerade deshalb leichter, in diesen Tagen etwas wahrzunehmen, das im hellen Alltag oft keinen Platz bekommt.
Was zwischen uns und unseren Toten offenbleibt
Nicht jeder Verstorbene muss „losgelassen“ werden.
Warum sollten wir einen Menschen loslassen, den wir geliebt haben?
Vielleicht geht es um etwas anderes. Darum, die Beziehung zu verändern.
Den Toten dort einen Platz zu geben, wo sie hingehören, ohne selbst bei ihnen stehen bleiben zu müssen.
In unserer Arbeit erleben wir immer wieder, dass Menschen noch etwas mit einem Verstorbenen verbindet. Manchmal ist es Trauer. Manchmal Schuld. Manchmal Wut. Manchmal Liebe, die keinen Ausdruck mehr gefunden hat. Und manchmal entsteht in Meditation, Aufstellung oder feinstofflicher Wahrnehmung etwas, das sich mit dem Verstand kaum erklären lässt.
Was der Körper über Trauer weiß
Trauer geschieht nicht nur in unserer Seele. Sie geschieht im Körper.
Schlaf kann sich verändern. Der Appetit verändert sich. Das Stresssystem reagiert. Auch Immun- und Entzündungsprozesse können sich während einer schweren Trauerphase verschieben.
Und es gibt tatsächlich ein sogenanntes Broken-Heart-Syndrom, die Takotsubo-Kardiomyopathie. Starker emotionaler Stress, auch ein schwerer Verlust, kann vorübergehend die Funktion des Herzens verändern. Der Körper kennt Verlust.
Deshalb sprechen wir an diesem Wochenende auch darüber, was während des Sterbens körperlich geschieht.
Wie verändert sich die Atmung?
Warum werden Hände und Füße kalt?
Was braucht ein sterbender Mensch noch von uns?
Und was müssen wir nicht mehr tun?
Es gibt Hinweise darauf, dass das Gehirn selbst bei sterbenden Menschen, die nicht mehr reagieren können, noch auf Klänge reagieren kann.
Deshalb ist für mich eines besonders wichtig:
Wir dürfen bis zuletzt mit einem Menschen sprechen.
Ruhig. Liebevoll. Ohne ihn festzuhalten.
Den eigenen Tod mitdenken
Aber dieses Seminar handelt nicht nur von denen, die gegangen sind.
Irgendwann führt uns jeder wirkliche Kontakt mit dem Tod zu einer anderen Frage:
Und ich?
Was wäre, wenn mein Leben nicht unbegrenzt weiterginge?
Was müsste noch ausgesprochen werden?
Was würde plötzlich unwichtig?
Was möchte ich nicht bis an mein Lebensende mit mir herumtragen?
Hier begegnen sich christliche ars moriendi, die Kunst des Sterbens, und buddhistische Todesbetrachtung auf eine erstaunlich klare Weise.
Nicht um den Tod herbeizudenken.
Sondern um das Leben wieder zu spüren.
Aus dem Inhalt
Allerseelen und die alten Vorstellungen von der Verbindung zwischen Lebenden und Toten
Samhain und die Schwelle in die dunkle Jahreszeit
ägyptische Totenrituale und die Bedeutung der Gabe
Trauer, Schuld, Wut und ungeklärte Beziehungen zu Verstorbenen
Fehlgeburten, Schwangerschaftsverluste und andere stille Abschiede
familiäre und transgenerationale Trauermuster
Meditation, Gebet, Aufstellung und feinstoffliche Wahrnehmung
die körperlichen Vorgänge bei Trauer und Sterben
Begleitung in den letzten Stunden
Maranasati und die Betrachtung des eigenen Todes
das eigene Leben aus der Perspektive seiner Endlichkeit betrachten
Abschiedsritual für das, was seinen Platz finden darf
Was du mit nach Hause nimmst
Vielleicht ist nach diesen Tagen nicht alles „gelöst“.
Das ist auch nicht mein Anspruch.
Aber etwas kann seinen Platz gefunden haben.
Ein Mensch, an den du immer wieder denken musst.
Ein Abschied, der nie wirklich geschehen durfte.
Eine Schuld, die du schon zu lange trägst.
Oder eine Angst vor dem eigenen Tod, der du bisher lieber ausgewichen bist.
Zwischen den Lebenden und den Toten muss keine Mauer stehen.
Aber es braucht eine Ordnung.
Die Toten dürfen zu den Toten gehören. Und wir dürfen bei den Lebenden bleiben.
Vielleicht liegt genau darin eine der stillsten Formen von Frieden.
Für wen ist dieses Seminar geeignet?
Für Menschen, die einen Verlust in sich tragen, der noch Raum braucht.
Für Menschen, die andere beim Sterben begleiten, in der Heilkunde, Pflege, Hospizarbeit oder innerhalb der eigenen Familie.
Rahmen
Zeit: Donnerstag, 4. November 2027, 10 Uhr, bis Sonntag, 7. November 2027, 13 Uhr
Ort: Monatshausen 10a, 82327 Tutzing. Dieses Seminar findet nur vor Ort statt.
Seminargebühr: 900 €
Mitzubringen: ein Foto oder ein kleiner Gegenstand von jedem Verstorbenen, den du mitbringen möchtest, eine Kerze, eine Decke, bequeme Kleidung.
Verpflegung, Übernachtung, Zahlung und Rücktritt: siehe unsere Seminargebühren-Übersicht
